Über den Tellerrand

«Im Darts kann man nicht zielen – das ist ein Irrglaube»

von Fabio Baranzini – 10. Dezember 2022

Mike Nydegger in Aktion beim Darts

Bild: Deborah Speck

In unserer Serie «Über den Tellerrand» stellen wir euch Sportarten vor, die im Kanton Aargau betrieben werden, aber in der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt sind. Diesmal gehts um Darts.

So ziemlich jeder von uns hat schon mal ein paar Pfeile auf eine Dartsscheibe geworfen. Irgendwo in einer Bar oder im Keller des Kollegen oder einer Kollegin. Doch Darts ist viel mehr als einfach ein spassiger Zeitvertrieb für einen Abend mir Freuden. Darts wird – vor allem in England, Holland und Deutschland – als professionelle Sportart betrieben. Auch in der Schweiz wird Darts gespielt, auch wenn es keine Profispieler gibt. Ungefähr 600 lizenzierte Spielerinnen und Spieler gibt es hierzulande, die Darts spielen.

«Es gibt keine Eigentore und Doppelfehler. Du musst den letzten Pfeil sauber werfen und die erforderliche Punktzahl erzielen. Sonst kannst du nicht gewinnen.»

Mike Nydegger, Darts-Spieler und Präsident DC Brugg

Auch im Aargau wird Darts gespielt. Es gibt mit dem DC Brugg und dem DC Schindelihüüü zwei Vereine, die insgesamt rund 50 lizenzierte Spieler und Spielerinnen vereinigen. Einer davon ist Mike Nydegger (50). Er spielt seit über 25 Jahren Darts, gehört noch immer zu den besten der Schweiz – aktuell ist er die Nummer fünf – und ist Präsident des DC Brugg. Mike ist also die perfekte Person, um uns den Darts-Sport näher zu bringen.

Impressionen des Darts Spiel

Bild: Deborah Speck

Steel-Darts vs. E-Darts

Bevor wir in die Details eintauchen, müssen wir ein paar Grundlagen klären. Als allererstes den Unterschied zwischen Steel-Darts und E-Darts. «Steel-Darts ist das, was man im TV sieht. Die Pfeile haben eine Metallspitze und sie müssen in der Zielscheibe stecken bleiben, damit die Punkte zählen. Im E-Darts haben die Pfeile ein Plastikspitze und die Pfeile müssen nicht in der Scheibe stecken bleiben, damits Punkte gibt. Im E-Darts wird dafür mit Sensoren gearbeitet», erklärt Mike Nydegger. Hätten wir das geklärt.

Bist du auch #aargauersport? 

Egal ob Sportlerin, Trainer, Schiedsrichterin, Funktionär, Vorstandsmitglied, Organisator oder leidenschaftlicher Fan – erzähl uns deine Geschichte!

Die Spielregeln

Doch wie siehts eigentlich mit den Regeln aus? Der klassische Spielmodus nennt sich «501 open in und double out». Das klingt ähnlich wie die Bezeichnungen der Sprünge von Freestyle Snowboardern – für Laien absolut unverständlich. Deshalb die Erklärung von Mike: «501 steht für die Anzahl Punkte, die man werfen muss. Nach jedem Wurf wird die erzielte Punktzahl abgezogen. Open in bedeutet, dass du beim ersten Wurf jedes Feld auf dem Dartsboard anvisieren kannst. Und double out heisst, dass der letzte Pfeil, den du wirfst, um genau auf null Punkte zu kommen, entweder genau in die Mitte ins Bullseye muss oder in eines der Felder am äussersten Ring der Dartsscheibe, die doppelte Punkte geben.»

Gespielt wird zumeist eins gegen eins, wobei abwechslungsweise drei Pfeile geworfen werden. Wer zuerst null Punkte hat, gewinnt den Leg. In der Regel wird «best-of-three» gespielt. Wer also zuerst zwei Legs gewonnen hat, hat die Begegnung für sich entschieden. Es ist auch möglich «Doppel» zu spielen. Dabei muss man als Team 601 Punkte erzielen, die Regeln bleiben ansonsten identisch. Die Distanz zum Board beträgt übrigens exakt 2.37 Meter.

Impressionen des Darts Spiel

Bild: Deborah Speck

Die Wurftechnik und die Darts-Pfeile

Wer im Darts erfolgreich sein will, der muss in der Lage sein, seine Darts immer mit derselben Bewegung und im gleichen Tempo zu werfen. «Im Darts kann man nicht zielen. Das ist ein Irrglaube. Um zu zielen, bräuchte man wie im Schiessen Kimme und Korn. Im Darts kommt es einzig und allein darauf an, den immer gleichen Bewegungsablauf zu perfektionieren und beim Wurf das gewünschte Feld mit den Augen anzuvisieren», erklärt Mike Nydegger. «Entsprechend ist Darts reine Übungssache und man muss mental stark sein. Denn Darts ist ein Spiel, das du immer selbst gewinnen musst. Es gibt keine Eigentore und Doppelfehler. Du musst den letzten Pfeil sauber werfen und die erforderliche Punktzahl erzielen. Sonst kannst du nicht gewinnen.»

Übrigens: Nicht nur die Wurftechnik spielt eine wichtige Rolle, sondern auch die Pfeile. Jeder Darts-Spieler und jede Darts-Spielerin hat eigene Pfeile. Im Steel-Darts dürfen diese nicht länger sein als 30 Zentimeter und nicht schwerer als 60 Gramm. Die Konfiguration ist jedem selbst überlassen. Mike Nydegger beispielsweise spielt mit einem 23 Gramm schweren Pfeil, der kopflastig ist, damit es beim Wurf eine schöne Flugbahn gibt. «Ich habe etwa 10 Jahre nach der perfekten Konfiguration des Pfeils für meine Technik gesucht. Und ich kaufe noch heute neue Darts und tüftle weiter», meint er lachend.

Impressionen des Darts Spiel

Bild: Deborah Speck

Die Wettkämpfe

Wer im Kanton Aargau mit Darts spielen beginnen möchte, für den ist die «Darts Liga Region Aargau» – kurz DLRA – der ideale Einstieg. «In dieser Liga geht’s um Ruhm und Ehre und natürlich um die Möglichkeit, unter Wettkampfbedingungen zu trainieren», erklärt Mike Nydegger, der im Vorstand der DLRA sitzt. Wer in der DLRA mitspielen will, muss nicht Mitglied in einem Verein sein. Es braucht lediglich ein Team von mindestens vier Spielern – Männer und Frauen können in gemischten Teams antreten – und ein Heimlokal, wo Wettkämpfe gegen andere Teams ausgetragen werden können. Gespielt wird jeweils am Montagabend, wobei sich zwei Equipen in insgesamt acht Einzel und zwei Doppelmatches messen.

Die offizielle nationale Meisterschaft organisiert der Schweizer Dart Verband. Um dort mitspielen zu können, muss man Mitglied in einem Dartsclub sein und eine Spiellizenz lösen. Mit der kann man dann auch an verschiedensten anderen Wettkämpfen ausserhalb der Meisterschaft teilnehmen.

Die wichtigsten Links im Aargauer Darts Sport

Hinweis

Weitere spannende Beiträge aus unserer Rubrik «Über den Tellerrand», in der wir unbekannte Sportarten vorstellen, die im Kanton Aargau ausgeübt werden, findest du hier.