Im Fokus

Weltrekordlauf: «Ab Kilometer 35 war es sehr hart»

von Fabio Baranzini – 17. April 2020

Matthias Kyburz mit Weltrekordversuch

Bild: zur Verfügung gestellt

Orientierungsläufer Matthias Kyburz ist in seiner Karriere noch nie mehr als 35 Kilometer am Stück gelaufen. Bis gestern. Da rannte er nämlich 50 Kilometer auf dem Laufband und stellte in einer Zeit von 2 Stunden 56 Minuten und 35 Sekunden gleich einen neuen Weltrekord auf. 

Gestern begab sich Orientierungsläufer Matthias Kyburz auf unbekanntes Terrain. Statt mit einer Karte ausgerüstet durch den Wald zu rennen und von Posten zu Posten zu jagen, rannte der 30-jährige Fricktaler auf dem Laufband und jagte den Weltrekord im «50 Kilometer Laufband-Rennen». Fast drei Stunden lang rannte er in einem Dachstock in Olten an Ort und Stelle. Und das permanent mit einem Kilometer-Schnitt von 3 Minuten und 30 Sekunden. 

Eine unglaubliche Leistung. Als Lohn darf Matthias Kyburz nun den Weltrekord im 50 Kilometer Laufband-Rennen sein Eigen nennen. 2 Stunden 56 Minuten und 35 Sekunden benötigte er für die Distanz. «Es ist schon extrem cool, dass es geklappt hat und ich den Weltrekord geknackt habe. In den letzten Tagen vor dem Versuch war ich schon etwas nervös und habe auch ein wenig Druck verspürt», so Kyburz.

«Ich ertappte mich auch dabei, dass ich immer häufiger auf die Kilometer-Angabe des Laufbands schaute und das Gefühl hatte, ich komme überhaupt nicht mehr vorwärts.»

Matthias Kyburz, Weltrekordhalter über 50 Kilometer auf dem Laufband

Nur 30 Minuten Laufband-Training

Der Weltrekord-Versuch des Fricktalers, der in Kooperation mit «Running.COACH» durchgeführt wurde, war nicht von langer Hand geplant. Im Gegenteil. Erst Anfang April – als definitiv klar war, dass bis im Oktober keine OL-Wettkämpfe stattfinden werden – entschloss er sich, das Experiment zu wagen. Entsprechend war die Vorbereitung auch nicht so, wie sie im Lehrbuch steht. Gerade mal drei lange Laufeinheiten absolvierte Kyburz bevor es ernst galt.

Auf dem Laufband stand er gar nur rund 30 Minuten. «Einmal haben wir den Trailer für den Weltrekordversuch gedreht und am Tag vor dem Versuch bin ich nochmals zehn Minuten auf dem Band gelaufen», sagt Kyburz, der auch sonst nie auf dem Laufband trainiert. Genau einmal im Jahr – nämlich bei den Leistungstests – begibt er sich auf das Gerät. Ansonsten rennt er immer in der Natur. Umso höher ist die gestrige Leistung von Matthias Kyburz einzustufen. 

Die letzten 40 Minuten waren richtig hart

Vor allem wenn man bedenkt, dass der fünffache OL-Gesamtweltcup-Sieger und vierfache Weltmeister vorher noch nie mehr als 35 Kilometer am Stück gelaufen war. Das hat einen einfachen Grund: Auch bei den längsten OL-Wettkämpfen sind selten mehr als 20 Kilometer zu absolvieren. Matthias Kyburz betrat gestern also Neuland. Und trotzdem konnte er bei seinem Weltrekordversuch von seiner langjährigen Lauferfahrung profitieren. Vor allem während den letzten 40 Minuten. 

«Die sind mir mindestens doppelt so lang vorgekommen wie die ersten 90 Minuten. Ich ertappte mich auch dabei, dass ich immer häufiger auf die Kilometerangabe des Laufbands schaute und das Gefühl hatte, ich komme überhaupt nicht mehr vorwärts», beschreibt Kyburz die letzte Phase des Rennens. «Was den Puls anging, war ich bis zum Ende nicht am Limit. Aber muskulär war es ab Kilometer 35 schon sehr hart. Mal spürte ich es in den Adduktoren, Mal im Fuss und dann wieder im Oberschenkel. Über die letzten Jahre habe ich jedoch gelernt, solche Schmerzen auszublenden. Das hat mir geholfen.»

Der Weltrekord-Lauf von Matthias Kyburz in voller Länge

Weiterer Saisonverlauf noch offen

Am Tag nach den Effort geht es Matthias Kyburz zu seinem eigenen Erstaunen sehr gut. «Ich dachte, ich könne kaum mehr laufen. Doch im Moment geht es ganz gut. Ich habe nur ein paar Blasen am rechten Fuss. Aber wer weiss, der Muskelkater kommt ja erst nach 48 Stunden», sag er lachend. Auf seine Leistung ist Matthias Kyburz stolz. Doch die sportliche Bedeutung hält sich in Grenzen. «Jede EM- und WM-Medaille ist für mich viel mehr wert. Aber es war eine coole Challenge für mich und ich bin froh, dass es so gut geklappt hat.»

Wie es für Matthias Kyburz sportlich weitergeht, ist noch nicht klar. Bis auf Weiteres sind die OL-Wettkämpfe abgesagt. Die WM im Oktober ist ebenfalls noch nicht gesichert. Der Entscheid diesbezüglich fällt spätestens Anfang Juli. Eine Sache ist jedoch bereits jetzt klar: Es wird eine Weile dauern, bis man Matthias Kyburz wieder auf einem Laufband antreffen wird.

Hinweis

In unserer Rubrik «Im Fokus» stellen wir einmal im Monat einen Sportler oder eine Sportlerin aus dem Kanton Aargau vor, die mit ihren Leistungen für Aufsehen gesorgt hat. Alle bisherigen Portraits findest du hier.