Im Gespräch

«Das Leben in den letzten zehn Wochen war eintönig»

von Marco Meili und Fabio Baranzini – 21. Mai 2020

In unserer neusten Ausgabe der Serie «aargauersport.ch im Gespräch» haben wir uns mit dem Aargauer Fussball-Nationalspieler Renato Steffen unterhalten. Ein Gespräch über die besondere Situation in der Bundesliga während der Coronakrise, seine aktuelle Form, seine turbulente Vergangenheit mit dem viel diskutierten Wechsel von YB zu Basel und sein Traum, für die Schweiz einmal an einem grossen Turnier aufzulaufen.

Die Karriere von Renato Steffen ist eine Karriere mit vielen Umwegen. Im Nachwuchs des FC Aarau wurde er dereinst aussortiert. «Das war ein Knacks für mich und ich überlegte mir sogar, ob ich mit dem Fussball aufhören soll», sagt er rückblickend. Doch Renato Steffen bewies schon früh seine Kämpferqualitäten. Via SC Schöftland und FC Solothurn erkämpfte er sich einen Platz in der Super League beim FC Thun. Von dort gings weiter zu YB, ehe der heftig diskutierte und emotionale Wechsel zum FC Basel erfolgte.

Wenn meine grössten Kritiker am Ende sagten ‚Ich mag ihn immer noch nicht, aber es ist schade, dass er geht‘ – dann habe ich mein Ziel erreicht.»

Renato Steffen, Fussballprofi beim VfL Wolfsburg

Der schwierige Wechsel von YB zu Basel

Angesprochen auf diese Zeit sagt er: «Das war nicht einfach. Es wurde sehr viel über mich geschrieben und ich wurde auch persönlich angegriffen. Dass ich jeweils im Stadion von tausenden Leuten ausgepfiffen wurde, hat mich schon sehr mitgenommen am Anfang. Das war schwierig zu verarbeiten in meinem Alter. In dieser Phase haben mir die Gespräche mit meiner Familie sehr geholfen.» Trotz der Schwierigen Situation hat Steffen genau daraus auch Energie schöpfen können. «Wenn meine grössten Kritiker am Ende sagten ‚ich mag ihn immer noch nicht, aber es ist schade, dass er geht‘ – dann habe ich mein Ziel erreicht.»

Vom Rheinknie gings für Steffen weiter in die Bundesliga zum VfL Wolfsburg, wo er seit fast zweieinhalb Jahren unter Vertrag steht. Und aktuell läuft es ihm hervorragend. In neun Rückrundenspielen hat er fünf Tore erzielt. Auch im ersten Spiel nach der Coronakrise in Augsburg hat er getroffen. «Mein Selbstvertrauen ist durch die Einsätze, die ich bekommen habe, gestiegen. So habe ich meine Unbekümmertheit von früher wiedererlangt und spiele derzeit, ohne gross zu studieren», verrät er sein Erfolgsrezept.

Das Leben in der Coronakrise

Im Interview berichtet Renato Steffen auch von den besonderen Umständen in den letzten Wochen. «Das Leben war in den letzten zehn Wochen eintönig. Es bestand eigentlich nur aus Training, Schlafen und Essen», so Steffen, der immerhin die Zeit mit der Familie geniessen konnte. Im Gespräch verrät er auch, wie er das erste Geisterspiel am vergangenen Wochenende gegen Augsburg erlebt hat, wie sein Alltag derzeit aussieht und welche Ziele er mit der Nationalmannschaft verfolgt.

Videointerview mit Renato Steffen

Bild: VfL Wolfsburg