Im Fokus

Schneller als Kambundji – Fabienne Hoenke rennt von Rekord zu Rekord

von Fabio Baranzini – 1. Juni 2023

Portrait von Sprinterin Fabienne Hoenke

Bild: Ulf Schiller

In unserer Rubrik «Im Fokus» stellen wir Sportlerinnen und Sportler aus dem Kanton Aargau vor, die mit ihren Leistungen für Aufsehen gesorgt haben. Diesmal ist es Sprinterin Fabienne Hoenke (19), die am Pfingstwochenende gleich zwei Rekorde und eine persönliche Bestleistung aufgestellt hat. 

Drei Starts, drei Rekorde. Das Wettkampfwochenende über Pfingsten hätte für Fabienne Hoenke kaum besser laufen können. Die 19-jährige Sprintspezialistin aus Möhlin hat ihre starke Frühform eindrücklich unter Beweis gestellt. Los gings mit einer neuen persönlichen Bestzeit über 100m (11.70s), gefolgt von einem neuen U20 Schweizer Rekord mit der 4x100m Staffel am selben Tag. Damit aber noch nicht genug. Zwei Tage später unterbot sie den U20 Schweizer Rekord über 200m (23.65s). Und den hatte zuvor niemand geringeres inne als Sprint-Superstar Mujinga Kambundji. 

«Dass ich über 200 Meter tatsächlich schneller gelaufen bin als Mujinga Kambundji, ist irgendwie verrückt.»

Fabienne Hoenke, Sprinterin

«Ich realisiere es noch gar nicht richtig, dass ich tatsächlich drei Rekorde gelaufen bin. Vor allem die Bestmarken in der Staffel und über 200 Meter bedeuten mir sehr viel. Dass ich über 200 Meter tatsächlich schneller gelaufen bin als Mujinga Kambundji, ist irgendwie verrückt», sagt Fabienne Hoenke. Was ihren Rekord über die 200m noch spezieller macht: Sie hat diesen auf Bahn eins aufgestellt, was über 200m aufgrund des engeren Kurvenradius eigentlich ein Nachteil ist. «Ich sagte mir einfach, man muss überall schnell laufen können – egal auf welcher Bahn. Das habe ich dann gemacht», so Hoenke lachend.  

Sprinterin Fabienne Hoenke in Aktion

Bild: Doris Acklin

Selbstvertrauen als Schlüssel 

Was sie so salopp sagt, steht stellvertretend für das neue Selbstvertrauen von Fabienne Hoenke. Nach einer schweren Verletzung – ein Ermüdungsbruch im Lendenwirbelbereich mit anschliessender Operation –, die sie eineinhalb Jahre ausser Gefecht gesetzt hatte, hat die junge Fricktalerin zum Überholen angesetzt. Bereits im Frühjahr hatte sie in der Halle mit dem Schweizer Meistertitel bei der Elite über 200m verblüfft. Und nun liess sie drei Rekorde an einem Wochenende folgen. «Der Hauptgrund für meine Leistungssteigerung ist das Mentaltraining, das ich seit einigen Monaten fix ins Trainingsprogramm aufgenommen habe. Das ist eine Komponente, die sehr oft unterschätzt wird», erzählt sie. «Gerade im Sprint geht es darum, in einer sehr kurzen Zeit die beste Leistung abrufen zu können. Dafür ist es entscheidend, dass das Selbstvertrauen stimmt und ich auf meine Fähigkeiten vertrauen kann. Darin bin ich viel besser geworden.» 

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Aus einer Leichtathletik-Familie

Dass Fabienne Hoenke dereinst in der Leichtathletik landen würde, ist keine Überraschung. Bereits ihr Grossvater und auch ihre Eltern waren in der Leichtathletik aktiv und so trat auch Fabienne bereits im Alter von sechs Jahren der Mädchenriege bei und wechselte mit zehn zur LV Fricktal. Dass die Sprintdiszipline ihr Ding sind, merkte sie ein paar Jahre später. «2019 gewann ich sowohl den UBS Kids Cup als auch den Swiss Athletics Sprint. Da habe ich gemerkt, dass ich das Talent mitbringe, um eine Karriere als Leistungssportlerin anzupeilen», blickt Fabienne Hoenke zurück, die in jenem Jahr auch zwei Schweizer Allzeitbestleistungen aufgestellt hatte – über 60m Hürden und über 80m. In jenem Jahr wechselte sie auch von der Bezirksschule ans Sportgymnasium Liestal, was es ihr ermöglicht, seither knapp 15 Stunden pro Woche zu trainieren. Die meisten Einheiten absolviert sie in Aarau, einem Standort des nationalen Leistungszentrums Nordwestschweiz, wo sie unter der Leitung von Stephan Neumann trainiert.

Sprinterin Fabienne Hoenke in Aktion

Bild: Stefan Hoenke

Ziel ist der EM-Final 

Ihr nächstes grosses Ziel sind die U20 Europameisterschaften in Jerusalem, die Anfang August auf dem Programm stehen. Noch ist Fabienne Hoenke nicht definitiv selektioniert worden, aber nach den Leistungen vom letzten Wochenende ist eine Selektion eigentlich unumgänglich. «Die U20 EM ist das grosse Ziel, auf das ich hinarbeite. Vor allem über die 200m rechne ich mir Chancen aus. Ein Finalplatz ist das grosse Ziel», sagt sie. Durchaus ein realistisches Ziel, denn mit ihrer Zeit von 23.65s, die sie am Pfingstmontag gelaufen ist, steht sie aktuell auf Rang drei der europäischen Bestenliste über 200m in der Altersklasse U20. Das zeigt, wie viel Potenzial Fabienne Hoenke mitbringt. Gut möglich also, dass künftig eine Sprinterin aus dem Aargau für positive Schlagzeilen in der Schweizer Leichtathletik sorgen wird.  

Hinweis

In unserer Rubrik «Im Fokus» stellen wir einmal im Monat einen Sportler oder eine Sportlerin aus dem Kanton Aargau vor, die mit ihren Leistungen für Aufsehen gesorgt hat. Alle bisherigen Portraits findest du hier.