Coronavirus

So kreativ reagiert die Aarauer Sportszene auf die Coronakrise

von Fabio Baranzini – 5. Mai 2020

Die Schwimmer des SC Aarefisch trainieren während der Coronakrise im eigenen Pool

Bild: SC Aarefisch

In Zusammenarbeit mit der IG Sport Aargau haben wir bei den Aargauer Sportverbänden nachgefragt, wie sie und ihre Mitglieder die Coronakrise meistern. Entstanden ist daraus eine Sammlung an kreativen Ideen, die Inspiration bietet für die kommenden Wochen.

Die Coronakrise ist auch für die Sportszene eine grosse Herausforderung. Die Unsicherheit ist gross. Wann darf man wieder trainieren? Unter welchen Auflagen? Wann gibt es wieder Wettkämpfe? Bleiben die Sponsoren an Board? In den verschiedensten Bereichen sind die Vereine gefordert. Um die Vereine zu unterstützen, hat Swiss Olympic die Kampagne #BleibimVerein lanciert. Aber auch die Vereine und Verbände waren in den letzten Wochen aktiv. Das gilt auch für den Kanton Aargau, wie die folgenden Beispiele zeigen.

Sitzungen und Versammlungen online abhalten

Das Versammlungsverbot für Gruppen von mehr als fünf Personen und die Empfehlung, dass Angehörige der Risikogruppen Zuhause bleiben sollten, führt dazu, dass auch Vorstandssitzungen seit Mitte März nicht mehr möglich sind. Auch viele geplante General- und Delegiertenversammlungen konnten nicht durchgeführt werden. Doch gerade in dieser aussergewöhnlichen Zeit ist es wichtig, dass die Vereine und Verbände aktiv bleiben und reagieren können. So setzen viele Vorstände in den letzten Wochen auf Online-Sitzungen via Skype, Zoom oder andere Plattformen.

Doch es geht noch mehr. Die IG Sport Aargau hat gezeigt, dass auch eine Delegiertenversammlung online durchgeführt werden kann. Geschäftsführer Marco Meili erklärt, wie das organisiert wurde: «Wir haben unseren Mitgliedern alle relevanten Dokumente in einem geschützten Bereich unserer Webseite zur Verfügung gestellt. Sie hatten dann vier Tage Zeit, um alle Dokumente anzuschauen. Die Dokumente haben wir mit Audio-Files ergänzt. In diesen Files haben wir zusätzliche Erklärungen zu den einzelnen Traktanden aufbereitet. Die Abstimmung erfolgte dann via Online-Umfrage. Jede Abstimmung konnte mit Ja oder Nein beantwortet werden. Drei Tage nach dem Ende der Abstimmung erhielten alle Mitglieder das Protokoll». Diese Form der Delegiertenversammlung ist rechtlich erlaubt. Dies auf Basis der zweiten COVID-19-Verordnung. Wer Fragen zur technischen Umsetzung einer Online-Versammlung hat, kann sich bei der IG Sport Aargau melden.

«Wir haben unseren Mitgliedern alle relevanten Dokumente in einem geschützten Bereich unserer Webseite zur Verfügung gestellt und mit Audio Files ergänzt.»

Marco Meili, Geschäftsführer IG Sport Aargau

Social Media Challenges

In den Tagen der Coronakrise erfreuten sich verschiedenste «Social Media Challenges» grosser Beliebtheit. Besonders aufgefallen sind uns da die Videos des IHC Rothrist. Der Inlinehockey-Club hat mittlerweile rund 30 Videos veröffentlicht, welche ihre Spieler beim Erledigen von alltäglichen Arbeiten zeigen – natürlich voll ausgerüstet mit Helm, Handschuhen, Schonern und Inlineskates.

Unter dem #bliebgsundAG haben zudem verschiedenste Sportlerinnen und Sportler aus dem Kanton Aargau gezeigt, wie sie in Zeiten von Corona trainieren. Gleich zwei lesenswerte Serien hat der Aargauische Fussballverband lanciert: Einerseits haben sie eine «Corona-Interview»-Reihe mit bekannten Aargauer Fussballerinnen und Fussballern ins Leben gerufen. Und andererseits berichten Aargauer Fussballer, die sich im Ausland aufhalten, über die dortige Regionalfussballszene

Alternative Trainingsmöglichkeiten

Geschlossene Sportanlagen stellten viele Vereine vor grosse Probleme: Wie soll trainiert werden? Auch da war Kreativität gefragt. Innert kurzer Zeit sind verschiedenste Angebote aus dem Boden gestampft worden, um den Mitgliedern von Sportvereinen und Sportverbänden das Training trotz geschlossenen Sportanlagen zu ermöglichen. Der Aargauer Turnverband hat beispielsweise die Plattform «Aargau Aktiv» ins Leben gerufen. Dies in Kooperation mit dem Aargauischen Orientierungslaufverband und dem Aargauischen Leichtathletikverband. Letzterer hat auch eine eigene Lehrvideo-Serie für Leichtathleten lanciert. Dies unter dem Label «ALV home@letics». ALV-Geschäftsführer Andreas Weber sagt dazu: «Wir haben in unseren Videos auch Konditionsübungen und Formen des Techniktrainings integriert. Diese Bereiche kommen bei anderen Angeboten im Netz etwas zu kurz. Zudem ist es uns ein Anliegen, auch Empfehlungen zu Serien und Wiederholungen abzugeben.»

Kreativ zeigten sich aber auch verschiedene Sportvereine. Besonders die Schwimmer des SC Aarefisch. Die beiden Open Water Langstreckenschwimmer Micha und Dario Boxler haben im eigenen Garten eine Trainingsanlage installiert. Im heimischen Pool wurde mit Hilfe eines elastischen Seils ein Gegenzug konstruiert, so dass die beiden bis zu einer Stunde am Stück im Wasser trainieren können. Und auch die Minitalents, die jüngsten Vertreter des Leistungssportbereichs beim SC Aarefisch, beweisen in ihrem Video, dass sie ohne Wasser trainieren können.

Soziales Engagement

Verschiedene Aargauer Sportvereine nutzen die trainingsfreie Zeit auch dafür, sich ehrenamtlich zu Gunsten der Risikogruppe zu engagieren. So beispielsweise auch die beide NLA-Handballvereine HSC Suhr Aarau und TV Endingen. Der HSC spannte dafür mit der Migros zusammen und der TV Endingen organisierte mit seiner NLA-Equipe einen eigenen Einkaufsservice

Kreativität im Sponsoring

Auch im Bereich des Sponsorings müssen Vereine und Verbände derzeit neue Wege gehen. Bereits in den ersten Tagen haben verschiedene Vereine bewiesen, dass sie das Sponsoring als Partnerschaft verstehen. Sie riefen ihre Mitglieder aktiv dazu auf, beim Einkaufen die Sponsoren des Vereins zu berücksichtigen. Andere Vereine – beispielsweise der Tennisclub Lenzburg – gewährten ihren Sponsoren einen Aufschub von mehreren Monaten für die Begleichung des Sponsoringbetrags.

Auch bei der Suche nach Sponsoren ist Kreativität gefragt. Denn es ist davon auszugehen, dass die ohnehin schon schwierige Suche nach Sponsoren durch die Coronakrise nicht unbedingt begünstigt wird. Einen spannenden Ansatz liefert dabei der TV Endingen. Im Rahmen der Aktion «Schenk eus din Name» kann man sich für 100 Franken einen Platz auf dem Dress der TVE-Spieler für die kommende NLA-Saison kaufen.

Hinweis

Hat dein Verein oder dein Verband in der Coronazeit auch Kreativität bewiesen? Dann schick uns die dazugehörigen Informationen am einfachsten per Mail an redaktion@aargauersport.ch , damit wir unsere Sammlung laufend ausbauen können.